Archive for the ‘Uncategorized’ Category

h1

Endlich!

August 9, 2011
Endlich!

Darauf haben wir lange gewartet: Die richtige Ausbildung für die Generation Praktikum!

Advertisements
h1

Und du, „Spiegel“….

Juli 31, 2011

bist zu Recht betroffen über die unhaltbaren Zustände in Griechenland:

„Über 21 Prozent der Griechen haben einen Hochschulabschluss, aber die Zukunftschancen sind miserabel. Experten sprechen von einer „700-Euro-Generation“, die sich – Studium hin, Studium her – seit Jahren mit Zwölf-Stunden-Jobs pro Woche begnügen muss, für rund acht Euro die Stunde und befristet auf wenige Monate. Viele junge Griechen müssen bis weit über das 30. Lebensjahr hinaus bei den Eltern wohnen, um über die Runden zu kommen.“

Sowas kann man sich ja schlechterdings gar nicht vorstellen, so gruselig ist das. Wenn ich mir solche Horrorszenarien vor Augen führe, bin ich jedes einzelne Mal aufs Neue dankbar und beruhigt, dass bei uns – im Land der glänzenden Perspektiven für Menschen mit und ohne höheren Bildungsabschluss, der unbefristeten Festanstellungen für alle, der generösen Mindestlöhne, der verlässlichen Anpassung der Einkommen an die steigenden Kosten und der strengen gesetzlichen Regelungen gegen Minijobs, Zeitarbeit, Praktika und andere Formen prekärer Beschäftigung alles ganz anders ist.

Natürlich geht es nicht darum, in Abrede zu stellen, welcher enormen wirtschaftlichen Diskriminierung junge Griechen und Spanier um die 30 ausgesetzt sind. Mir geht es um den Hinweis, dass die Rechnung für die Fehler der letzten Jahrzehnte, für Marktradikalismus und „Deregulierung“ des Arbeitsmarkts sowie für die von verantwortungslosen Spekulanten und sie unterstützenden Politikern verschleuderten Milliarden allen Angehörigen der Generation Verarscht präsentiert wird. Landesgrenzen spielen da keine Rolle, nicht einmal Ozeane – oder was meinst du, „Spiegel“, wer die Kosten der Misere in den USA aufgebürdet bekommen wird? Ebenso die Generation V, die sich als Konsequenz jede eigene Lebensplanung verkneift bzw. sich diese bis ins Ehebett diktieren lässt. Erinnert sich noch wer an die lustigen „Wir zahlen nicht für eure Krise?“-Demos? Als ob einer FRAGEN würde, ob wir dafür zahlen.

Und trotzdem wird in der Berichterstattung der Medien über Griechenland und Spanien reflexartig der Betroffenheitsmodus angenknipst und konsequent so getan, als trage sich das alles in einer zur Gänze fremden, etwas unbegreiflichen und damit auch ein bisschen erschreckenden Welt zu. In einem anderen Kulturkreis. Da wird Athen zu sowas ähnlichem wie Kabul: Da, das weiß der deutsche Durschnittszeitungsleser, liegt eh ganz viel im Argen, und das ist ganz schlimm für die Menschen dort, aber abgesehen vom Bedauern darüber sind wir froh und auch ein bisschen stolz, dass wir in einer ganz toll funktionierenden Republik leben, wo alles schön ist und die Sonne scheint und es keine solchen Missstände gibt.

Und dabei muss man noch nichtmal nach Athen oder Madrid, um die geschilderten Verhältnisse vorzufinden. Berlin reicht vollauf.

Nur finde ich den Umgang mit der Problematik in Deutschland fast noch unerträglicher als in Spanien oder Griechenland, denn dort ist der Rubikon wenigstens so weit überschritten, dass sich auch bei größter Anstrengung die Realität nicht mehr  verleugnen lässt: Die sprichwörtliche Kacke ist am Dampfen, die Staatsfinanzen sind FUBAR und die Arbeitslosigkeit insbesondere der Generation U 35 bewegt sich stramm auf die 25% zu (und das sind nur die offiziellen Zahlen).

Und bei uns? Da wird munter weiter in die Kamera gestrahlt und verkündet, wie prima Deutschland – heute de facto ein Billiglohnland – dank der Lohnzurückhaltung und der vielgepriesenen Deregulierung doch aufgestellt sei. Da verkündet eine Familienministerin mit dementsprechendem Gehalt und lebenslanger garantierter Versorgung, die wenn nötig eine ganze Armada von Kindermädchen aufbieten kann, dass sie doch die gleichen Probleme habe wie andere junge Eltern: Beruf und Familie zu vereinbaren! Da erklärt der Chef der Bundesirrenagentur auf alle Nachfragen nach Niedriglohn und prekärer Beschäftigung „Gibt es doch gar nicht!“ Da wird alles unter einen schönen, schwarz-rot-goldenen Teppich geschaufelt, und Mutti sitzt obendrauf im Lehnstuhl, pfeift „La Paloma“ und schiebt den Banken die nächsten Rettungsgelder zu. Immer schön nach dem St.-Florians-Prinzip: Krachen wird es, aber bitte nicht in meiner Amtszeit. War was?

Die jungen Griechen haben, genau wie die jungen Spanier, Iren und Italiener, mein Mitgefühl und meine aufrichtige Solidarität, sollten sie irgendwann den Anfang und den Verantwortlichen für die Misere berechtigterweise Feuer unter ihre nadelstreifenverpackten Allerwertesten machen.

Aber manchmal frage ich mich auch ernsthaft, wo es sich besser an der eigenen Wut und Ohnmacht ersticken lässt: In offiziell-pleite-Griechenland oder in Angies Lügenrepublik?

h1

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten…

Juli 14, 2011

…sagte Walter Ulbricht, damals Staatsratsvorsitzender der DDR, knappe zwei Monate, ehe am 13. August 1961 die deutsche Teilung durch in einer Nacht- und Nebelaktion errichtete Sperranlagen zementiert wurde.

„Niemand darf auf der Strecke bleiben“, sagt Frank-Jürgen Weise, seines Zeichens Chef der Bundesagentur für Arbeit, aus der er „ein erfolgreiches Unternehmen“ gemacht haben will, im Zeit-Interview. Auszug:

‚ZEIT ONLINE: Der Aufschwung, sagen Kritiker, hatte einen Preis: Eine zunehmende Zwei-Klassengesellschaft am Arbeitsmarkt. Auf der einen Seite Menschen mit festem, unbefristetem Job, auf der anderen Seite zunehmend prekärere Beschäftigung.

Weise: Ich bin anderer Meinung. Es gibt diese Gräben nicht. Sie sind zumindest nicht so tief, wie immer getan wird.

ZEIT ONLINE: Warum nicht?

Weise: Im Verarbeitenden Gewerbe haben wir heute noch immer genauso viele stabile Jobs wie früher. Das normale Vollzeitarbeitsverhältnis ist nicht weniger geworden. Was stimmt: Bei zusätzlichen Jobs, die in den letzten Jahren entstanden sind, gibt es heute mehr atypische Beschäftigung, also mehr Teilzeit, mehr Befristungen, mehr Zeitarbeit. Wir haben deshalb so viel Beschäftigung wie noch nie!

ZEIT ONLINE: … und zwei Klassen von Arbeitnehmern.

Weise: Aber diese neuen Jobs – etwa in der Zeitarbeit – sind zusätzlich. Man kann da nicht von Gräben sprechen. Wir müssen die Entwicklung aber genau beobachten. Für mich wäre es ein Indikator, wenn die Zahl der Menschen, die in der Zeitarbeit arbeiten, von derzeit einer auf zwei Millionen springen würde. In Amerika ist die Zeitarbeit drittgrößter Arbeitgeber. Da wollen wir nicht hin.

ZEIT ONLINE: Und der Boom bei den 400-Euro-Jobs?

Weise: Den gibt es doch gar nicht. Die Zahl der 400-Euro-Jobs ist nicht wesentlich gestiegen. Aber in den haushaltsnahen Beschäftigungsformen ist Schwarzarbeit häufig legalisiert worden. Das ist ein Erfolg.‘

Nachdem Arbeitgeberfunktionär Dieter Hundt schon vor Jahren festgestellt hat, dass eine „Generation Praktikum“ eine Erfindung irgendwelcher linksradikaler Spinner sei, verdanken wir dem unternehmerisch denkenden Herrn Weise nun also die Erkenntnis, dass es weder eine Spaltung der Gesellschaft durch eine sich immer weiter öffnende Einkommensschere, noch einen Anstieg prekärer Beschäftigung gibt.

Lieber Herr Weise: Es bleiben Menschen auf der Strecke. Und zwar nicht nur die 400.000 Langzeitarbeitslosen, von denen Sie an anderer Stelle reden, sondern Millionen, deren Lebenspläne und Entwicklung unterschiedlichsten Formen prekärer Beschäftigung wie Zeitarbeit, Billiglohnjobs, befristete Stellen, Praktika, Minijobs, Kleinselbständigkeit, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen usw. zum Opfer fallen. Getrost hinzurechnen dürfen Sie auch all jene, die arbeiten möchten, aber nicht offiziell bei Ihrem „Unternehmen“ registriert sind. Die Ausgrenzung, die es Ihrer Meinung nach nicht gibt, kennt viele Namen, aber nur ein Ergebnis: Die Prekarisiserung Unzähliger.

Sie sagen, Deutschland sei nicht ungerechter geworden. Ich weiß nicht, wie Sie in einem Land von Gerechtigkeit sprechen können, in dem Erwerbstätige noch in meiner Kindheit Familien ernähren, Häuser abbezahlen, die Ausbildung ihrer Kinder sichern und in die eigene Altersvorsorge einzahlen konnten, während ein Vollzeit-Einkommen heute oft gerade eben die Lebenshaltungskosten deckt, falls nicht gleich ergänzend Hartz 4 beantragt werden muss – die Diffamierung gibt es dann natürlich gratis dazu. Deutschland ist genau so gerecht, wie der seit Ende der 90er praktizierte ungezügelte Marktradikalismus es nun einmal zulässt.

Ich erinnere mich noch genau an die Umbenennung Ihres so vorbildlich geführten „Unternehmens“ von „Bundesanstalt für Arbeit“ in „Bundesagentur für Arbeit“. Anstalt, so dass Argument, sei ein gar so negativ konnotiertes Wort, und überhaupt wolle die neue Dienstleistungsorientierung und die Wahrnehmung des Arbeitssuchenden als „Kunde“ nach außen kommuniziert werden. Ein Redakteur des Satiremagazins Titanic konstatierte damals nüchtern eine wachsende Anzahl von Verantwortungsträgern in unserer Republik, die offenkundig reif für die Irrenagentur sei.

Wartet nun die Umbenennung in „Work & Social Services Holding“ o.ä.? Namen, sagt man, seien Schall und Rauch. Jemand, der Euphemismen gebraucht, um unhaltbare Zustände zu verschleiern, der sich die Dinge schönredet, mag ein Opportunist, ein Träumer sein, bei wohlwollender Betrachtung sogar noch als Idealist durchgehen.

Wer allerdings die Prekarisierung weg- und den Fachkräftemangel herbeiredet, ist nichts von alledem. Der ist entweder schlicht unfähig, oder aber  ein ganz gewöhnlicher Lügner. Und ich weiß nicht, ob ich lieber von Idioten oder von Lügnern regiert und gelenkt werden möchte.

Die wachsende Zahl wütender Kommentare unter Einlassungen wie denen von Herrn Weise zeigt aber auch, dass immer weniger Menschen gewillt sind, sich für dumm verkaufen zu lassen. Laut Herrn Weise hat niemand die Absicht, das Land ungerechter zu machen. Das ist auch nicht nötig, denn es ist schon ungerecht. Es benachteiligt, selektiert, enteignet und macht dabei nicht Halt vor Kindern, Jugendlichen, Kranken, Arbeitslosen, älteren Menschen und anderen Gruppen, die sich am wenigsten wehren können.

Und wer das anprangert, wer sich weigert, sich von gefälschten Zahlen überzeugen zu lassen, der ist für Herrn Weise und seinesgleichen eine Fortschrittsbremse und ein Ewgiggestriger: „Es gibt immer Menschen, die Veränderungen als ungerecht ansehen.“ Tja. Und dann gibt es natürlich die Hundts, die Weises, die Brauksiepes und wie sie alle heißen, die – mitsamt Familie vollversorgt bis ans Ende ihrer Tage – dem Pöbel die Fähigkeit absprechen, zu erkennen, wann er – man möge mir die Wortwahl verzeihen – nach Strich und Faden verarscht wird. Generation Praktikum? Gibt es nicht. Prekarisierung? Auch nicht. Wachsende Zahl von Minijobs? Einzelfälle.

Aber Gott sei Dank: Niemand hat die Absicht, die Bürger zu belügen, zu betrügen und zu manipulieren.